Geschichte

Geschichtlicher Überblick

Für besonders an der Historie Interessierte sei gleich vorweg auf die in gedruckter Form erschienene Chronik "150 Jahre Kameradschaftsunterstützungsverein Ebensee", verfasst von Dr. Walter RIEDER  und im Jubiläumsjahr 2009 erschienen, hingewiesen.
Sie kann über den Vorstand zum Einzelpreis von 10.- Euro bezogen werden.


Chronik KUV-Ebensee Titelblatt


1845 wurde für die k.k. Armee die achtjährige Dienstzeit eingeführt. Damit fand die früher bestandene lebenslängliche Dienstverpflichtung des Soldaten ein Ende.
In Folge der Kriege von 1848/49 und 1859 wurde sehr bald die unbefriedigende Versorgungslage insbesondere invalid gewordener ehemaliger Soldaten manifest, ein vom Kaiserhaus gegründeter Invalidenfonds konnte lediglich die ärgste Not lindern. Aus sozial karitativer Gesinnung heraus wurden bald Militärvereine gegründet, ein kaiserliches Patent vom 28.11.1852 bildete den rechtlichen Rahmen dafür, sich öffentlichen und gemeinnützigen Zwecken zu widmen (ordentliche Begräbnisse, Finanzhilfe für in Not geratene Mitglieder, etc.).
16.10.1859 wurde in Ebensee der Verein ehemaliger Militär-Veteranen gegründet. Der Zweck war eben die gegenseitige Hilfe bzw. Unterstützung der Mitglieder und die Gestaltung eines würdigen Begräbnisses. Der Überlieferung nach waren es Teilnehmer der Schlacht von Solferino (Juni 1859), die sich hier zusammenschlossen.
Die Einführung der Allgemeinen Wehrpflicht in Österreich im Jahre 1868 bedeutete gerade  für die Menschen im Salzkammergut, die bisher weitestgehend davon befreit waren (Stichwort Saline), eine Veränderung ihres Lebens.
1886 wurden die Dienstboten- und Bezirkskrankenkassen eingerichtet. Sie "schwächten" zunächst den ursprunglichen Zweck, hatten aber zum Erfolg, dass sich die Vereine zu patriotischen Aktivitäten mit Förderung der Kameradschaft im militärischen Sinne und der besonderen Verbundenheit zum "Allerhöchsten Herrscherhaus" hinwendeten.
Um 1900 gipfelte die Entwicklung der Militärvereine in der Gründung des "Österreichischen Militär-Veteranen-Reichsbundes" in Wien. Für die dem k.k. Österr. Militär-Veteranen-Reichsbund angehörenden Körperschaften wurde eine eigene Adjustierungsvorschrift herausgegeben.
04.07.1914 wurde die gesetzliche Grundlage für die Gründung des "K.k. Österreichischen Kriegerkorps" geschaffen. Die Errichtung eines Kriegervereines bedurfte der Bewilligung durch die Landespolitik, Mitglieder konnten in der Regel nur Personen werden, die in der k.u.k. bewaffneten Macht als Mannschaft oder Unteroffizier gedient hatten.

Im 20. Jahrhundert ging das Zeitgeschehen nicht spurlos am Verein vorbei. Seine Mitglieder mussten u.a. in zwei Weltkriege einrücken, der Verein wurde 1938 aufgelöst und konnte erst 1951 als Kameradschafts-Unterstützungsverein wiedergegründet werden. Und auch jüngste Veränderungen, etwa die Beitrittsmöglichkeit für Zivildiener (unter besonderen Voraussetzungen) finden seinen Niederschlag.

Der ursprüngliche Zweck ist aber gleichgeblieben. Hinzugekommen ist das Andenken an die gefallenen Mitglieder zu erhalten. Aber nicht im Sinne einer Verherrlichung des Krieges, sondern in der Form wie es am Ebenseer Kriegerdenkmal zu lesen ist: Als Mahnung, dass Kriege große Wunden schlagen.

Die nachfolgende Chronik ist deshalb mehr als nur eine Vereinsgeschichte. Sie zeigt beispielhaft auch die allgemeinen gesellschaftlichen und politischen Veränderungen in Ebensee im Laufe der Geschichte.


CHRONIK (stark gekürzt)

1859

16.10. Kirchweihsonntag, es findet das Gründungsfest statt. Der Verein hat 205 Mitglieder. Erster Vorstand 1)  ist LOIDL Josef, Bäckerwirt; erster „Fahnenführer“ GAIGG Jakob, Loipanjackl.
Die Fahne wird von SKLONA Josef, Schneider, gefertigt. Der Jahresbeitrag wird mit 30 Kreuzer festgelegt. Er reicht nicht, um alle Unkosten zu decken, daher wird während des Jahres bei den Mitgliedern um freiwillige Spenden gebeten.
1) Vorstand meint Vorsitzender des Vereinsausschusses

04.06. LAHNSTEINER Anton, Infanterist beim Regiment Nr. 59, Rainerregiment, fällt in der Schlacht von Magenta.

1860

In diesem Jahr versterben 4 Vereinsmitglieder. Der Jahresbeitrag wird auf 60 Kreuzer erhöht.

1886

28.02. Eine Generalversammlung wird abgehalten, wobei beschlossen wird, dass bei Begräbnissen von Vereinsmitgliedern an Wochentagen die Musik auszurücken hat.

19.09. Die Fahnenweihe findet statt, wobei Frau Marie von ARBESSER, k. k. Sudhüttenverwaltersgattin, als Fahnenpatin fungiert. Am Vorabend dem 18.09. wir ein Fackelzug abgehalten, bei dem der Frau Fahnenpatin eine Serenade dargebracht wird. An der Fahnenweihe nehmen 18 Vereine und 3 Deputationen mit zusammen 1.246 Mann (!) teil. Die Weihe findet auf dem Feld des Herrn VOGL Franz, Zöchbauer, statt. Die Weihe nimmt Herr Beneficiat SCHADLER Franz vor. Die Auslagen anlässlich der Fahnenweihe belaufen sich auf 244 Gulden 65 Kreuzer.
Seine Majestät, Kaiser Franz Josef I. spendet zur Fahne 60 Gulden.

1887

27.03. In Anwesenheit des Herrn Bezirkshauptmannes, Ritter von RAAB, findet eine außerordentliche Generalversammlung statt, wobei die Regulierung der Landsturmangelegenheiten besprochen wird.


1890

31.07. Seine kaiserliche Hoheit, Erzherzog FRANZ SALVATOR, feiert mit Ihrer kaiserlichen Hoheit Erzherzogin MARIE VALERIE, jüngste Tochter Seiner Majestät des Kaisers FRANZ JOSEPH I. und seiner Gemahlin ELISABETH, seine Vermählung, zu der der Verein mit 153 Mann nach Bad Ischl ausrückt.

1895


Neue Leichenträgermäntel sind angeschafft.

Von der k. k. Bezirkshauptmannschaft Gmunden kommt die Aufforderung an den Verein, dem k. k. Militär Veteranen Reichsverband beizutreten, welcher nicht nachgekommen wird.

 

1898


24.07. Generalversammlung im Saal des Metternichwerkes: Abänderung der §§ 1 und 3 der Statuten.

Bewilligung zum Tragen des Reichsadlers mit dem allerhöchsten Namenszug Seiner Majestät laut Erlaß vom 18/41 Gl 18589 von 1898.

 

1899

 

21.03. Frau KOCH Karoline wird zur Fahnenpatin gewählt, welche diese Ehrenstelle mit Freuden annimmt.  Die Firma ZIMBLER Josef in Wien wird beauftragt, die neue Fahne zum Preis von 60 Gulden anzufertigen. Die Frau Fahnenpatin spendet ein prachtvolles Fahnenband, die Stickereien darauf stammen von Fräulein STOIBER  Johanna, einer geborenen Ebenseerin.

04.06. Generalversammlung zur Besprechung der Fahnenweihe.

02.07. 40jähriges Gründungsfest des Vereines und Fahnenweihe mit Zapfenstreich.

 

1908

 

19.01. Generalversammlung im Gemeindesitzungssaal mit dem wichtigsten Tagesordnungspunkt: Beitritt zum Reichsbund der Veteranen Vereine. Es kommt zur Verlesung der wichtigsten Punkte der Statuten des Veteranen Reichsbundes. Über den Beitritt zum selben wird mittels Stimmzettel abgestimmt. Ergebnis: 102 dafür, 1 dagegen. Der Beitritt ist damit beschlossen.

Laut Beschluss der Generalversammlung wird zum 60jährigen Regierungsjubiläum Seiner Majestät, des Kaisers Franz Josef I. ein Jubiläumsschießen in der Hütte des Kranzlschützen Vereines Ebensee abgehalten.

Zu Erinnerung an das 60jährige Regierungsjubiläum Seiner Majestät, des Kaisers Franz Josef I., wird vom Bildhauer PACHINGER Franz ein Vereinsschild angefertigt, wo sich in dem Postamente die Urkunde und die darauf befindlichen Namen der jubilierenden Ausschussmitglieder befinden.

Ein Ansuchen der Vereinsleitung an das k. k. Landesverteidigungsministeriums in Wien um 5 Stück Armeegewehre zum Jubiläumsschießen wird bewilligt und diese vom k. k. Landsturmkommando in Linz übernommen.

 

1914

 

28.06. Empfang seiner Excellenz, des Bischofs von Linz, Dr. Rudolf HITTMAIR, es beteiligen sich 68 Mann mit Musik, die aber wegen des Attentates auf Thronfolger FRANZ FERDINAND nicht zum Einsatz kommt.

28.06. Thronfolger Erzherzog FRANZ FERDINAND und seine Gattin Herzogin Sophie von HOHENSTEIN werden in Sarajevo von einem Serben (Gavrilo PRINCIP) ermordet.

29.06. Einzug mit dem Bischof in die Kirche  um 9 Uhr, Hochamt und Firmung.

04.07. Requiem für den Thronfolger und seine Gattin. 15 Mann mit Fahne und Tambour nehmen daran teil.

28.07. Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien.
31.07. Generalmobilmachung Österr.-Ungarns. Das 14. Armeekorps wird mobilisiert, Landsturmmitglieder bis zum Alter von 39 Jahren werden eingezogen.

09.08. Infolge der traurigen Kriegsereignisse findet statt des Jahresfestes ein patriotischer Kirchgang statt, an dem sich 120 Mann mit Tambour beteiligen.

18.08. Zur Feier des Kaisergeburtstages sind 55 Mann mit Musik zur Kirchenparade ausgerückt. Bei der Kaiserbüste im Jubiläumspark bringt die Musik die österreichische und die Volkshymne zum Vortrag. Die Vorfeiern blieben der Kriegszeit wegen aus.

26.08. Am Requiem anlässlich des Todes von Papst Pius X. (gestorben am 20.08.) beteiligen sich 13 Mann mit Fahne und Tambour.

15.09. Über Auftrag der Bezirkshauptmannschaft Gmunden werden beim Elektrizitätswerk Offensee 8 Mann aus dem Verein als Wachen aufgestellt.

08.11. Ausschusssitzung: VIERTBAUER Josef und LOIDL Moriz beantragen die Errichtung einer Gedenkstätte für gefallene Krieger aus Ebensee.

15.11. Im Hotel Post findet eine Vorbesprechung bezüglich Beitritts zum Kriegerverein statt.

29.11. Fünf Ausschussmitglieder besprechen mit Ausschussmitgliedern des Bad Ischler Vereines den Beitritt zum Kriegerverein.

20.12. Außerordentliche Generalversammlung im Gemeindesitzungssaal: 65 anwesende Vereinsmitglieder beschließen einstimmig den Beitritt zum Kriegerverein. Bei dieser Versammlung wird durch eine Sammlung bei den Anwesenden ein kleiner Grundstein zur Errichtung eines Kriegerdenkmales für die im jetzigen Krieg gefallenen Ebenseer Kameraden gelegt.

 

1915

 

20.01. Einberufungskundmachung des gesamten bisher gemusterten Landsturmes, und zwar: Die aus den Geburtjahrgängen1884, 1885 und 1886 Gemusterten haben am 01.Februar, die aus den Jahrgängen 1878 bis 1883 am 15. Februar einzurücken.

27.01. Kundmachung der Musterung der Landsturmpflichtigen der Jahrgänge 1891 bis 1894 die bis 31.07.1911 aus dem Heer, der Marine, dem Landsturm oder der Gendarmerie Entlassenen, die in den Jahren 1895 und 1896 geborenen Landsturmpflichtigen, diejenigen in den Jahren 1878 – 1881 geborenen Landsturmpflichtigen, die sich bisher keiner Stellung zu unterziehen hatten. Es sind diese, welche die österreichische oder ungarische Staatsbürgerschaft erst nach dem 31. Dezember des Jahres erlangt haben, in dem sie das 33. Lebensjahr überschritten haben.

07.02. Ausschusssitzung: bei dieser wurden, wie bei der Generalversammlung im Jänner beschlossen, die Listen der Witwen der auf dem Felde der Ehre gefallenen Krieger, welche Mitglieder des Vereines waren, und der Sterbeumlage angehörten, übergeben, an welche die Umlagebeiträge auszuzahlen sind. Die Ausschussmitglieder PILZ  Karl und SCHWAIGER Jakob übergeben bei dieser Sitzung ihre Listen der 110 Spender für die Errichtung einer Gedenkstätte für die gefallenen Krieger von Ebensee und das Ergebnis: 141 Kronen 40 Heller.

09.02. Kundmachung des Musterungstermins im Bezirk Ischl 21.02.1915, 8 Uhr in Ischl.

21.02. Bei der Musterung der Jahrgänge 1892 - 1895 in Bad Ischl werden aus der Gemeinde Ebensee von den 104 Vorgestellten 48 Einheimische und 13 Fremde behalten.

28.03. Musterung der Jahrgänge 1896 und 1897.

07.04. Musterung der Jahrgänge 1873 bis 1877.

21.05. Außerordentliche Ausschusssitzung im Vereinslokal um 7 Uhr abends: Vom Landsturmbezirkskommando Nr.: 2 in Linz ist der Befehl gekommen, dass alle vor dem Jahr 1865 Geborenen, das sind die 50jährigen und älteren Mitglieder, zur Bahnsicherung nach Hallstatt einzurücken haben. Am 24. 05. wird diese Einberufung wieder annulliert.

06.06. Musterung der Jahrgänge 1878 bis 1890 und 1892 bis 1894 von den Superarbitrierten (aus übergeordnetem Ermessen zurückgestellt) und Waffenfähigen.

21.06. Die Jahrgänge 1887 – 1890 und 1892 – 1894 müssen einrücken.

30.06. Musterung des Jahrganges 1897, das sind die 18jährigen.

16.08. Die Jahrgänge1878 – 1886 müssen einrücken.

21.08. Musterung der Jahrgänge 1865 – 1872, der Gedienten und Nichtgedienten.

07.11. Ausschusssitzung: es wird beantragt, das Denkmal für gefallene Ebenseer am Friedhof zu errichten.

 

1916

 

17.01. Die Geburtsjahrgänge 1870 und 1871 haben einzurücken.

18.01. Es kommt die Nachricht, dass Montenegro kapituliert hat (Dez. 1915). Zu diesem bedeutungsvollen Sieg wird der Ort beflaggt. Auch die Bekanntgabe vor einigen Tagen von der Eroberung der Hauptstadt von Montenegro, Cetinje, und von Lovcen wird mit großer Begeisterung aufgenommen.

21.01. Die Jahrgänge 1865 – 1867 haben einzurücken.

23.01. Generalversammlung im Gemeindesitzungssaal: Die laut Vereinsstatuten vorzunehmende Wahl des Ausschusses wird von allen Anwesenden einstimmig auf nach dem Krieg verschoben. Anwesend sind 5 Ausschuss- sowie 52 Vereinsmitglieder darunter auch ein Ehrenmitglied.

29.04. Ein Samstag; die im Jahre 1898 Geborenen müssen sich der Musterung unterziehen. 45 von 73 werden als geeignet befunden.

12.08. Die in Ebensee kriegsgefangenen Russen werden von einer russischen Krankenschwester inspiziert. Die Inspektion fand am Salinenplatz zwischen Schillerwerk und Zeugbewahrung statt.

21.11. Um 9 Uhr abends stirbt Kaiser FRANZ JOSEPH I. im Schloss zu Schönbrunn in Wien.

 

1917

 

05.01. Leichenbegängnis des Mitgliedes JÄGER Josef, 12 Mann mit Fahne und Tambour geben ihm das letzte Geleit. Es war dieser das erste Mitglied, bei dem nur mit den zwei kleinen Glocken geläutet wurde, da die anderen schon abgenommen und zum 08.01. zur Kriegsdienstleistung einberufen waren.

 

1918

 

27.04. Samstag, der Verein rückt zum Kaiseramte Ihrer Majestät der Kaiserin Zita mit nur 4 Mann und der Fahne aus.

03.11. Waffenstillstand Österreich-Ungarns.
07.11. Begräbnis des Mitgliedes HÖLLER Simon. 14 Mann geben demselben das Letzte Geleite. Es ist das erste Leichenbegängnis, bei welchem der Adler der Fahne verdeckt wird.

 

1919

 

28.04. Leichenbegängnis des Mitgliedes FELLNER Franz mit Musik und Fahne. Zum ersten Mal wird das Tragen der schwarz-gelben Schärpen unterlassen.

 

1922

 

08.10. Der Verein feiert sein 63jähriges Bestehen. Da im Vorjahr durch die Ungunst der Verhältnisse das Fest nicht abgehalten wurde, so wird die diesjährige Feier zu einer schönen Kundgebung. Unter Vorantritt der Salinenkapelle vom Vereinslokal zur Kirche, wo genannte Kapelle während des Gottesdienstes die Deutsche Messe sehr stimmungsvoll zum Vortrag bringt. Nach dem Gottesdienst marschiert der Verein nach der Defilierung vor den Honoratioren zurück in die Vereinsherberge, wo Ehrenvorstand SPITZER den Dank für die große Beteiligung abstattet. Bemerkenswert für den Opfersinn der Mitglieder ist, dass die Auslagen des Festes durch freiwillige Spenden gedeckt werden. 100 Vereinsmitglieder haben am Fest teilgenommen.

Das Interesse der Mitglieder am Verein hebt sich in diesem Jahr ganz bedeutsam, obwohl die Sozialdemokraten nichts unversucht lassen, den Verein zu diskreditieren und sich auch als Behörde fühlen, was sich nach dem Gründungsfest am deutlichsten zeigte, zu dem der sozialdemokratische Ortsarbeiterrat ein Schreiben an die Vereinsleitung gerichtet hat, in dem ausgedrückt wird, dass das Fest von der republikanisch gesinnten Bevölkerung als reaktionär und provozierend angesehen werde.

Anmerkung: Die Passage vermittelt einen interessanten Einblick, wie lang der Weg auch in unserem Heimatort war, der zum Werden demokratischer Gesinnung von 1918 bis 1945 gegangen werden musste!

 

1923

 

An den Begräbnissen der verstorbenen Mitglieder nimmt der Verein mit Fahne teil, mit Ausnahme am Begräbnis des EINFALT Johann, denn dabei wird der Verein von Sozialdemokraten an der Teilnahme gewaltsam gehindert.

Heuer fanden 2 Generalversammlungen, 8 Ausschusssitzungen und 82 Neuaufnahmen von Mitgliedern statt. Daneben wurde die größte Sterbeziffer seit Bestehen des Vereines erreicht. Der Mitgliederstand am Ende des Jahres beträgt 645 Mann.

 

1925

 

06.03. Beim Begräbnis von LOIDL Ignaz wird zum ersten Mal nach dem Umsturz Säbel und Tschako als Sargschmuck verwendet. Die 4 Reichsadler an den Ecken des Bahrtuches wurden wieder angenäht.

31.08. Im Freiheitspark wird mit dem Aufbau des Kriegerdenkmales begonnen, nachdem die Gemeindevorstehung nach langwierigen Verhandlungen die Erlaubnis erteilt hat, im genannten Park das Denkmal aufzustellen. Erdarbeiten und Sockelbetonierung wurden an den Maurer- und Zimmermeister PESENDORFER Anton vergeben. Die Arbeiter stellte die Salinenverwaltung. Durch den besonderen Einsatz des Amtsleiters der Salinenverwaltung wurden vom Innenministerium 160 Arbeitsschichten für den Bau des Denkmales bewilligt. Die Erstellung des Denkmales wurde dem Steinmetzmeister NUSSBAUMER Cölestin aus Gmunden übergeben. Die Steine des Denkmales wurden im Zinselbachsteinbruch, Mollbruch, gewonnen.

 

1926

 

04.06. Kriegerdenkmal-Enthüllung. Es beteiligen sich nachstehende Vereine und Festgäste:

Von auswärts: die Veteranenvereine von: Bad Ischl, St. Wolfgang, Neukirchen in der Viechtau mit Musik, Gmunden, Traunkirchen, Altmünster, Lauffen, Kirchham, sämtliche mit Fahnen mit Ausnahme von Altmünster.

Von den hierortigen Vereinen nahmen Teil: Feuerwehr, Liederkränzchen, deutscher Turnverein, Bergsteigerbund, Gewerbeverein, kath. Frauenorganisation, kath. Arbeiterverein, kath. Jugendverein „Enzian“, Schülerinnen der Bürgerschule, viele Hinterbliebene von gefallenen Kriegern.

Die Ortsgruppe der Invaliden, Witwen und Waisen nach gefallenen Kriegern, beteiligt sich nicht an der Feier. In einem Schreiben gibt sie der Vereinsleitung bekannt, dass ihr die Einladung zu spät zugeschickt wurde, (obwohl die Einladungen zwei Wochen vorher ausgeschickt worden waren) und sie nicht in der Lage waren, Ortsgruppen von auswärts in dem kurzen Zeitraum einladen zu können. Auch beteiligt sich die Sozialdemokratische Partei, obwohl eingeladen, nicht.

Musikkapellen nahmen teil: Saline, Sodafabrik, Feuerwehrmusikkapelle Langwies.

Den Empfang der auswärtigen Vereine besorgte die Salinenmusikkapelle.

Von den hierortigen Honoratioren nahmen teil:

Die Gemeindevertretung mit Vizebürgermeister STADLER an der Spitze, die Salinenverwaltung vertreten durch Herrn Bergrat ENDRES, die Sodafabrik vertreten durch Herrn Direktor WIEDEMANN, die Ortsgeistlichkeit und Vertreter sämtlicher hierortigen Ämter.

Die Bezirkshauptmannschaft Gmunden sandte keine Vertretung, aber Bezirkshauptmann Graf PACHTA entschuldigte schriftlich sein Fernbleiben.

 

Somit hat das Werk der Pietät der Vereinsleitung, das sie sich seit Anbeginn des Weltkrieges als Ziel gesetzt hatte, seine Vollendung gefunden. Leider konnte dieses Werk nicht früher vollendet werden, da das bereits in der Kriegszeit gesammelte Kapital durch die Inflation der Nachkriegszeit in Nichts zusammenschmolz. So musste im Jahre 1922, bei der Stabilisierung der Krone, aufs Neue angefangen werden. Trotz der vielen Missgeschicke und Schwierigkeiten konnte das Denkmal errichtet werden.

Die Urkunde, in der sich sämtliche Vereinsausschüsse (Ausschussmitglieder), die sich am Bau des Kriegerdenkmales verdient gemacht haben, eigenhändig unterzeichneten, ist in der nordwestlichem Ecke des Denkmales eingemauert. Der Entwurf des Denkmales stammt vom heimischen Bildhauer, Herrn PACHINGER Franz.

 

18.07. Die Sozialdemokratische Partei veranstaltet eine Krieger-Ehrung beim Kriegerdenkmal.

01.11. Zu Allerheiligen werden zwei schmiedeeiserne Grablaternen, eine Spende des Schmiedemeisters GAIGG Johann, über die Allerseelenoktav beim Kriegerdenkmal aufgestellt

 

1929

 

01./02.06. Der Verein beteiligt sich am 200jährigen Kirchenjubiläum:

Am Vorabend Fackelzug durch den Ort zum See; am Festtag Vormittag Empfang durch den Landeshauptmann Dr. SCHLEGEL Josef und den Vertreter des Bischofs Dr. KOLDA; am Nachmittag historischer Festzug, der vom See durch den Ort zur Kirche geht.

 

1934

 

25.03. Der Verein nimmt mit Fahne an einer vaterländischen Kundgebung inGmunden teil, wo anlässlich derselben Bundeskanzler Dr. DOLLFUSZ Engelbert spricht.

Diese große Kundgebung dauert von 09;00 bis 16;30 Uhr. Von Ebensee nehmen an der Kundgebung teil: 80 Mitglieder des Vereines, Salinenmusik, Sodafabriksmusik und Feuerwehrmusik Langwies, und sämtliche vaterländischen Vereine, zusammen zirka 600 Personen. Die gesamte oberösterreichische Teilnehmerzahl beträgt 50.000.

15.06. An der Vereinsfahne, welche während der Fronleichnamsoktav in der Pfarrkirche bleibt, entdeckt Schriftführer GAIGG Josef abends bei der Herz-Jesu-Andacht, dass das an der Fahne befindliche Medaillenband gestohlen worden war. Es fehlen nachstehende Medaillen: 7 große, 5 kleine und 1 bronzene Tapferkeitsmedaillen, 1 Erinnerungsmedaille an Schleswig-Holstein, 1 päpstliche Medaille und 1 Erinnerungskreuz 1908.

Nach Anzeige bei der Gendarmerie wird nach den Medaillen gefahndet.

Am 25.06. kommt von der Gendarmerie an die Vereinsleitung die Verständigung, dass die Medaillen bei zwei schulpflichtigen Knaben gefunden wurden. Nach Angaben derselben begingen sie den Diebstahl, um mit den Medaillen Soldaten spielen zu können.

 

1935

 

07.07. Ausschusssitzung: Schriftführer GAIGG Josef berichtet über die Gründung eines Kameradschaftsbundes ehemaliger Kriegsteilnehmer in Ebensee und meint, dass diese Gründung den Interessen des Vereines nicht zuwider läuft.

06.10. Ausschusssitzung: Die Ortsführung der Vaterländischen Front ersucht um Bekanntgabe der Namen aller Mitglieder. Schriftführer GAIGG Josef berichtet über die Neuanlage des Parks beim Kriegerdenkmal. Die Bäume müssen entfernt und Zedern und Zypressen neu gepflanzt werden. Die Arbeiten werden dem Gärtner FEICHTINGER anvertraut.

11.12. Ausschusssitzung: In einem Schreiben vom 08.12.1935 ersucht der Österreichische Reichsbund, Ortsgruppe Ebensee an die Generalversammlung des Vereines möge der Antrag gestellt werden, Kaiser OTTO die Ehrenmitgliedschaft zu verleihen. Dieses Ansinnen löst eine längere kontroverse Diskussion aus, die nicht zum Abschluss gebracht werden kann.

 

1936

 

19.01. Generalversammlung im Saal des Gasthauses „Zum Schwarzer Adler“: Die Abstimmung über den Wunsch der Ortsgruppe Ebensee des Reichsbundes, Kaiser OTTO die Ehrenmitgliedschaft im Verein zu verleihen, ergibt folgendes Ergebnis: 20 Stimmen für, 180 Stimmen der anwesenden Mitglieder gegen die Ehrenmitgliedschaft.

06.12. Der Reichsbund Österreich, Ortsgruppe Ebensee ersucht in einem Schreiben, Kaiser OTTO von der Generalversammlung zum Ehrenprotektor zu berufen zu lassen; wird der Generalversammlung vorgelegt.

 

1937

 

10.01. Der Österreichische Reichsbund, Ortsgruppe Ebensee hat an die Vereinsleitung die Bitte gerichtet, Kaiser OTTO zum Ehrenprotektor zu ernennen. Der Vereinsausschuss hat in seiner Sitzung am 06.12.1936 diesem Ersuchen zugestimmt. An die Generalversammlung des Vereines wird der Antrag gestellt, Kaiser OTTO zum Ehrenprotektor zu ernennen: bei der Abstimmung gibt es 2 Gegenstimmen.

04.07. Jahresfest mit Überreichung des Handschreibens an Seine Majestät Kaiser OTTO zur Ernennung als Ehrenprotektor in Ebensee.

 

1938

 

13.03. "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich.
08.05. Ausschusssitzung: Der Schriftführer verliest die Aufklärung betreffs Überführung des Militär Veteranen Vereines in den N. S. Deutschen Reichsbund „Kyffhäuser“.

Nach den Bestimmungen wird als Kameradschaftsführer ein Mitglied der N.S.D.A.P. ernannt, die Vereinsleitung hat ein Vorschlagsrecht. Als Kameradschaftsführer wird das Mitglied NEUBACHER Karl, Staatsoberförster, vorgeschlagen.

Vorstand LAHNSTEINER Johann schließt mit Dankesworten die Sitzung und den bisherigen Verein, der dem deutschen „Kyffhäuserbund“ angeschlossen wird. Dieser wird 1945 aufgelöst.

 

1951

 

03.03. Proponenten-Versammlung zur Wiedergründung des Militär-Veteranen-Vereines als Kameradschaftsunterstützungsverein Ebensee.

05.08. Der ehemalige Militär-Veteranen-Verein Ebensee wird als „Kameradschaftsunterstützungsverein“ neu gegründet.

Es gibt eine große Feier mit Festgottesdienst, Ehrung der Gefallenen beim Kriegerdenkmal, wobei der Abgeordnete zum Nationalrat MITTENDORFER Josef eine Ansprache hält. Festumzug mit der alten Fahne und Frühschoppen im Hotel Post.

Der Verein hat an die 600 Mitglieder, der erste Obmann ist GAIGG Josef, Salinenmeister, Obmannstellvertreter STADLER Jakob, Kassier VOGL Friedrich, Stellvertreter LOIDL Johann, Fähnrich PROMBERGER Franz.

 

1952

In diesem Jahr wird das neue Kriegerdenkmal errichtet.


1973

04.02. Ausschusssitzung: Der Ankauf einer Salutkanone wird einstimmig beschlossen. Der Mitgliederstand beträgt mit 01.02. 1.034 Mann.

1978

05.11. Ausschusssitzung: der Obmann berichtet über die neue Fahne. Der Text des neuen Vereinsfahnenbandes soll lauten: „Zur Erinnerung an das 120jährige Gründungsfest mit Fahnenweihe“. Ein zweites Fahnenband hat den Text: Hedwig IMHOFER, Fahnenpatin. (Einstimmiger Beschluss)

1979

29.07. Ausschusssitzung: Die Kosten der neuen Fahne betragen S 83.000,-.
05.08. Bei strahlendem Wetter findet am Sonntag der Festzug vom Gasthof Schwarzer Adler zur Festmesse im Rathauspark statt, die von Prälat, Univ. Prov. Dr. LOIDL Franz im Beisein der Ehrengäste, Bürgermeister LA REITER Hermann, Vizebürgermeister SR STÖGER Matthias, Pfarrer ALTENDORFER Johann und der Fahnenpatin IMHOFER Hedwig zelebriert wird.
Die Fahnenweihe erfolgt durch Pfarrer ALTENDORFER Johann, dabei wird auch das von der Fahnenpatin IMHOFER Hedwig gestiftete Fahnenband gesegnet.
Im Anschluss an die Fahnenweihe wird beim Kriegerdenkmal in einer erhebenden Feier der 225 gefallenen Kameraden des Ersten und der 454 des zweiten Weltkrieges gedacht. Festzug, Feldmesse, Fahnenweihe und Gefallenengedächtnis erhalten durch die Musikkapellen von Solvay unter KIRCHNER Franz und der Saline unter KLETTNER Walter, eine große Goldhaubengruppe, sowie den Gastvereinen aus Altmünster, Bad Goisern, Bad Ischl, Gmunden, Neukirchen, St. Wolfgang und Traunkirchen eine besondere Note.
Mit einem Defilee der mitwirkenden Vereine vor den Ehrengästen findet der offizielle Festhakt zum 120jährigen Bestehen des Vereines seinen Abschluss.

1986

02.03. Ausschusssitzung: der in der vorangegangenen Sitzung bezüglich Anschlagkästen gefasste Beschluss wird einstimmig geändert. Anschlagkästen werden sein: Bei der Müllnerbrücke, in der Marktgasse, Kreuzung Offenseestraße (heute Roitherstr.!), Dr. Rasperstraße, Konsum Roith, Langwies Schulersteg und Rindbach Eschlböck.

2009

26.06. 150. Gründungsfest KUV-Ebensee. Angelobung von ca. 350 Soldaten des Österreichischen Bundesheeres aus den Garnisonen Hörsching und Salzburg mit Waffenschau S-70 "Black Hawk" und Platzkonzert Militärmusik OÖ im Trauneck. Ziviler Höchstanwesender: LH Dr. PÜHRINGER Josef. Militärischer Höchstanwesender: MilKdt OÖ GenMjr Mag. RAFFETSEDER Kurt.
27.06. Kirchgang und Festakt im Ebenseer Rathaus.

(Photos zum 150. Gründungsfest finden Sie in der Fotogalerie.)

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